Güll fordert Schulpsychologen und Sozialarbeiter an jeder Schule

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Zahl der auffälligen Schüler in Bayern steigt laut Kultusministerium – SPD-Experte: Sitzenbleiben als Stressfaktor reduzieren

Angesichts des tödlichen Amoklaufs eines psychisch kranken Schülers in München mahnt der Vorsitzende des Bildungsausschusses des Bayerischen Landtags, Martin Güll, mehr Einsatz für Prävention und Früherkennung an: „Das Kabinett sollte bei der Klausurtagung in St. Quirin nicht nur über mehr Polizei reden, sondern auch über die Einführung von Schulsozialarbeit. Es ist kein Luxus, wenn Lehrerinnen und Lehrer an jeder Schule Schulpsychologen und Schulsozialarbeiter an ihrer Seite haben. Jeder Euro, der in die Prävention gesteckt wird, hilft.“

In Bayern gebe es derzeit in allen Jahrgangsstufen zusammen rund 7.700 Schülerinnen und Schüler, die als sozial auffällig identifiziert wurden und entsprechend betreut werden, sagte Güll unter Berufung auf Zahlen des Kultusministeriums, die er angefordert hatte. Doch die Dunkelziffer sei sicherlich noch viel höher, warnt der Dachauer SPD-Abgeordnete und frühere Mittelschulrektor. Allein an den Mittelschulen hat sich die Zahl der Betroffenen binnen vier Jahren auf fast 3800 Kinder verdoppelt. „Wir brauchen Unterstützungssysteme an den Schulen, um Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen.“

Eine Schulsozialarbeit sensibilisiere zudem auch Mitschüler, stärker auf Veränderungen ihrer Klassenkameraden zu achten. „Die Radikalisierung bis hin zu einem Amoklauf ist ja nichts, was von heute auf morgen passiert. Das geht oft über Jahre.“

Zu den Faktoren, die in der Schule den Stress und damit die Anfälligkeit für psychische Probleme deutlich erhöhen, zählt Güll auch das sogenannte „Grundschulabitur“ für den Übertritt auf weiterführende Schulen und das Sitzenbleiben. „Wir müssen die individuelle Förderung verstärken, statt das Sitzenbleiben einfach in Kauf zu nehmen. Jeder Schüler in Bayern kostet nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts im Durchschnitt rund 7.000 Euro im Jahr. Das summiert sich bei 52.649 Wiederholern auf rund 370 Millionen Euro.“

Dafür ließen sich laut Güll rund 7000 Lehrkräfte und weiteres pädagogisches Personal beschäftigen. Es wären kleinere Lerngruppen, individuelle Lernpläne und zum Teil auch der Einsatz von zwei Pädagogen pro Klasse möglich. Damit ließen sich die Wiederholerzahlen und der Schulstress deutlich reduzieren.

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