Migrationsbeirat: Offene Fragen zum mörderischen Anschlag

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Stellungnahme des Migrationsbeirates zum mörderischen Anschlag im OEZ:

Wir veurteilen schärfstens jegliche Gewalt, Terror, menschenverachtende Vorgehensweisen und sprechen den Opfern sowie deren Angehörigen unser tiefstes Beileid aus.

Es erschüttert uns ebenso, dass ein erst 18.Jähriger bereits so perspektiv- und hoffnungslos sein kann, um eine solch grauenhafte Tat zu begehen. Gerade deshalb sollten wir als Gesellschaft unseren Jugendlichen ein Ohr schenken und insbesondere Eltern sensibilisieren und darauf aufmerksam machen, damit junge Menschen in ihrer Blüte der Zeit nicht aufgeben.

Nach Aussagen einiger betroffener Familien und Angehöriger der Opfer ist davon auszugehen, dass hier nicht nur ein Täter am Werk war. Ganz egal mit welcher kranken Ideologie oder mit welchen Hintergründen die Täter ihre Morde begehen, es mussten unschuldige Menschen ihr Leben lassen,  weil diese ihrem blinden Hass freien Lauf ließen.

Die betroffenen Angehörigen sind sehr wütend. Nicht nur durch den schwerwiegenden Verlust ihrer Liebsten, sondern auch durch die Vorgehensweise nach dieser schrecklichen Tat. Erst viele Stunden später haben sie knappe Informationen darüber bekommen , was mit ihren Angehörigen passiert ist,  die spurlos verschwunden sind. Weder die Polizei, städtische oder staatliche Einrichtungen, wie z.B. Krankenhaussprecher  haben die Familien über den Sachstand der Personenlage informiert. D.h. die Angehörigen wussten weder, ob die Betroffenen im Krankenhaus lagen oder tot waren. Einige Familien haben die ganze Nacht lang Krankenhäuser aufgesucht und nach ihren vermissten Familienmitgliedern gefragt, doch keine Institution war in der Lage, Auskunft zu geben. Obwohl die Angehörigen der Vermissten  ständig versuchten, die Polizeihotline anzurufen – die Polizeibehörde gab keine Informationen preis. Erst am nächsten Morgen gab die Polizei die Namen der Toten bekannt und gestattete, die betroffenen Angehörigen über den Tod eines Familienmitglieds zu informieren.

Die Familien stehen sich unzähligen offenen Fragen gegenüber. Einige Familien konnten erst am Sonntag zu den Verstorbenen gehen – bzw. erst heute Morgen. Was steckt hier dahinter? Warum werden hier Unterschiede gemacht? Warum konnten die Familien nicht sofort zu Ihren Angehörigen?

Es gibt dutzende unterschiedliche Berichterstattungen und keine deckt sich mit der offiziellen Äußerung der Polizei. Aufgrund der fehlenden klaren Informationen durch die Polizei bzw. den anderen offiziellen Stellen gehen die Anwohner und Familienangehörigen davon aus, dass es sich nicht um einen Einzeltäter handelt.

Wir fordern die zuständigen Stellen auf, die Angelegenheit mit mehr Sensibiltät zu verfolgen. Die Familien müssen umgehend umfassend informiert werden, damit sie eine Möglichkeit haben, das Geschehen zu verarbeiten.

Es ist trotz aller Ereignisse ein gutes Gefühl zu sehen, wie die Münchnerinnen und Münchner in den Tagen der Not zusammenstehen. Dieses Gefühl soll auch in den kommenden Tagen weiterverbreitet werden – die Menschen sollen zusammenkommen und sich austauschen. Nur wenn alle zusammenstehen, kann Gewalt jeglicher Art bewältigt werden!

Wir widmen unsere Gedanken den Opfern und deren Familien und wünschen den Verletzten schnelle Genesung.

Nükhet Kıvran
Vorsitzende des Migrationsbeirats
der Landeshauptstadt München

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