Mitarbeiter mit Migrationshintergrund sind gefragt

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„Wie viele Beamte arbeiten denn hier?“, wird der Bürgermeister gefragt. „Knapp die Hälfte…“ Ja, ja, Beamtenwitze finden immer noch ihre Lacher. Und wenn Beschäftigte der Nürnberger Stadtverwaltung neuen Bekannten erzählen, wo sie arbeiten, sieht sich die eine oder der andere mit ähnlich humorvollen Äußerungen konfrontiert. Aber vom ungerechtfertigt zweifelhaften Ruf der Beamtenschaft einmal abgesehen – es sind in der weit überwiegenden Mehrzahl keine Beamten, die bei der Stadt Nürnberg arbeiten, sondern nach Tarif bezahlte Beschäftigte. Und was viele nicht wissen: Deren Arbeitsplätze stehen auch Bewerber-innen und Bewerbern offen, die keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen.

Über 200 000 von insgesamt rund 500 000 Nürnbergerinnen und Nürnberger haben einen Migrationshintergrund, die meisten davon besitzen die deutsche, rund 33 000 eine EU- und über 56 000 eine Nicht-EU-Staatsbürgerschaft. Den 40 Prozent Einwohnern mit ausländischen Wurzeln stehen nur 9 Prozent Beschäftigte mit Migrationshintergrund in der Stadtverwaltung gegenüber, mit 10 000 Beschäftigten die größte Arbeitgeberin in Nürnberg. Dieses krasse Missverhältnis ist ungut. Alle Bürgerinnen und Bürger haben Zugang zu den städtischen Arbeitsplätzen, über deren Besetzung die Qualifikation entscheidet, und nicht die Herkunft. Der Grundsatz der Chancengleichheit in der Personalarbeit der Stadt Nürnberg scheint zu wenig bekannt zu sein. Das ist schade für Einzelne, für die sich bei der Stadtverwaltung interessante berufliche Perspektiven auftun könnten. Es ist aber auch ein Manko für unsere Stadtgesellschaft: Für die Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Stadtverwalt-ung ist es wichtig, dass sie dort Menschen aus allen Bereichen der Bevölkerung wiederfinden.

Die Stadt hat in den vergangenen Jahren bereits große Anstrengungen unternommen, um den Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund in der Verwaltung zu erhöhen. Dank umfangreicher Aktivitäten an den Schulen und auf Berufsbasaren liegt er bei den Auszubildenden bereits bei rund 30 Prozent. Eine verstärkte Nachfrage erlebt zum Beispiel die Fachakademie für Sozialpädagogik (Berufliche Schule Direktorat 7), an der junge Menschen für Erziehungsberufe ausgebildet werden.

Auch Lehrkräfte mit Migrationshintergrund sind gefragt. Hier will sich die Stadt engagiert um Zuwachs bemühen und zudem auch neue Wege beim Auswahlverfahren beschreiten. So wird ein bundesweites Pilotprojekt mit anonymisierten Bewerbungen in naher Zukunft Erkenntnisse liefern, die hoffentlich zeigen, wie es gelingen kann, dass sich die offene und vielfältige Nürnberger Stadtgesellschaft besser innerhalb ihrer Verwaltung widerspiegelt. Nürnberg beteiligt sich zudem an einem Projekt zur Stärkung der interkulturellen Kompetenz in Stadtverwaltungen. Auch dabei können mehrsprachige Beschäftigte mit internationalem Hintergrund und multikulturellen Erfahrungen eine wertvolle Rolle spielen.

Was ich Ihnen damit vermitteln will: Denken Sie bei der Ausbildungsplatzwahl, beim Berufseinstieg oder beim Arbeitgeberwechsel auch an den öffentlichen Dienst. Er bietet ein sehr breites Spektrum an interessanten Ausbildungen und Berufen. Was sich für Möglichkeiten bei der Stadt Nürnberg bieten, können Sie aktuell im Internet unter www.stellenmarkt.nuernberg.de aufrufen.

Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg
Dr. Ulrich Maly

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