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Die Kunst der Stadtentwicklung

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Stadtentwicklung und Kunst? Ja, Stadtentwicklung ist eine Kunst. Jeder Bürgermeister, jede Bürgermeisterin, und alle, die mit Planen und Bauen, Erhalten und Gestalten von städtischen Räumen und Flächen zu tun haben, werden das bestätigen. Die Herausforderung, für Bedarfe und berechtigte Interessen der Bewohner Kompromisse zu finden, die allen ein lebenswertes Umfeld bieten, wird stetig größer. Seit der Jahrtausendwende leben weltweit mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Die Zunahme der Stadtbevölkerung und die Ausbreitung städtischer Lebensweisen stellen Metropolen vor grundlegende Entscheidungen: Wie soll das Leben in der Stadt in Zukunft aussehen? Wie sollen sich neue Wohnformen entwickeln, wie können nachhaltige Mobilitäts-, Arbeits- und Freizeitkonzepte aussehen? Wie kann Nachverdichtung auf begrenztem Raum geschehen unter Berücksichtigung von Umwelt, Gesundheit und Lebensqualität? Fragen, auf die auch Nürnberg Antworten finden muss. Über 530 000 Menschen leben bereits hier – und alle Prognosen deuten auf weiteres Wachstum.

Kein Wunder, dass das spannende Thema Stadtentwicklung auch bei Kunstschaffenden auf großes Interesse stößt. In Nürnberg fanden und finden sie Förderung durch das kommunale Immobilienunternehmen wbg. Vor 100 Jahren gegründet, hat die wbg mit ihren Siedlungsbauten nicht nur den Stadtplan Nürnbergs geprägt, sondern auch von Anfang an Künstlerinnen und Künstlern in eigens eingerichteten Ateliers Arbeits- und Wohnraum zur Verfügung gestellt. Im Zuge der Kunst-am-Bau-Förderung der 1950er und 1960er Jahre wurden die Künstler mit der Ausstattung von Wohnanlagen beauftragt. Und über die Jahrzehnte entstand eine Kunstsammlung, aus der die wbg nun eine Auswahl in der Nürnberger Kunstvilla präsentiert. Die Ausstellung „Urbane Zukunft“, die bis 7. Oktober 2018 in der Blumenstraße 17 zu sehen ist, gibt nicht nur Einblicke in die lange Tradition der Künstlerförderung der wbg, sondern zeigt auch die Entwicklung des Stadtbilds: vom Fensterblick der Klassischen Moderne über abstrahierte Luftaufnahmen bis zu den Utopien heutiger Kunstschaffender.

Früh rückten die Künstlerinnen und Künstler die Modernisierung und Verstädterung ins Blickfeld, betrachteten die in den Randbezirken entstehenden Wohnanlagen, nahmen Straßen ins Visier, die in der Nachkriegszeit unbegrenzte Mobilität verhießen, und thematisierten Parks und Grünanlagen als temporäre Fluchtorte oder Spielwiese für das soziale Miteinander. Teils realistische, teils expressionistische Schlaglichter dokumentieren die Urbanisierung Nürnbergs. In der zeitgenössischen Kunst dominiert die Darstellung der Stadt als Abstraktion, Tektonik und Strukturen, der Kontrast von Linie und Fläche prägen das Bild. Die sehr sehenswerte Schau vereint Werke von Jakob Dietz (1889-1960), Georg Weidenbacher (1905-1984) und Oskar Koller (1925-2004) mit aktuellen Positionen von Mara Loytved-Hardegg, Ralph Fleck, Karsten Neumann und Fredder Wanoth.

Wie wär’s also mit einem Stadtbummel der etwas anderen Art? Stadtentwicklung durch die Augen von Künstlerinnen und Künstlern betrachtet, deren urbane Utopien häufig der Wirklichkeit vorangehen – das ist reizvoll, nicht nur für professionelle Stadtplaner, sondern für alle, die den Lebensraum Stadt für sich gewählt haben. Wir werden weiter daran arbeiten, dass wir uns das lebens- und liebenswerte Modell der europäischen Stadt, die ein Neben- und Miteinander historischer Epochen und eine gesellschaftliche Pluralität kennzeichnet, erhalten!

Herzlichst

Ihr

MalyImza

Ulrich Maly

-Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg

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