Partner und Freunde in aller Welt

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Nürnberg ist international. Nicht nur, weil der Nürnberger Flughafen Verbindungen in viele Länder anbietet, die Stadt zu den 20 größten Messeplätzen der Welt zählt und Weltfirmen sich hier niedergelassen haben. Sie können es in den Geschäftsstraßen hören und auf den Stadtteilfesten sehen: Menschen aus über 150 Nationen leben in Nürnberg, machen die Stadt bunt und vielfältig. Die meisten von ihnen haben enge Beziehungen in ihre frühere Heimat, zu dort lebenden Verwandten und Bekannten. Darüber hinaus unterhalten Nürnberger-innen und Nürnberger auch Kontakte in benachbarte wie ferne Länder, die sie über die interkommunale Partnerschaftsarbeit der Stadt geknüpft haben. Seit nunmehr sechs Jahrzehnten pflegt Nürnberg Partnerschaften und Freundschaften zu Städten im Ausland, seit 1991 organisiert durch eine eigene Dienststelle, das Amt für Internationale Beziehung-en.

Was nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1954 mit einem Verbrüderungseid zwischen Nürnberg, Nizza, Venedig, Locarno und Brügge begann, setzte sich fort in Partnerschaften mit Glasgow und einer Freundschaftsvereinbarung mit Hadera in Israel. Dem Ost-West-Konflikt mit Annäherung begegnen, diese Devise führte Nürnberg zu Verbindungen mit Krakau, Skopje, Gera, Charkiw und Prag. Ab den 1990er Jahren kamen weitere Partnerschaftsverträge mit Antalya, Kavala und Cordoba in Europa, mit Shenzhen in China und Atlanta in den USA zustande. Freundschaften schloss Nürnberg mit Bar und Cetinje in Montenegro, dem rumänischen Brasov, Klausen und Montan in Südtirol und mit Verona. Von Unterstützung aus Nürnberg profitieren San Carlos in Nicaragua und vom Tsunami 2001 zerstörte Orte in Sri Lanka. Mit der wachsenden Zahl der Städtepartner entstanden Projekte, die ihres gleichen suchen: Freundschaftshäuser in Krakau und Nürnberg, eine Sozialstation in Charkiw, ein Kulturhaus in San Carlos, eine Nürnberger Straßenbahn in Antalya, ein Hospital in Sri Lanka …. Die Liste der Aktivitäten ist lang und wächst ständig, doch die eigentlichen Pfeiler der Städtepartnerschaften sind nicht solche Vorzeige-Projekte, sondern unzählige kleine Maßnahmen, die häufig von bürgerschaftlichem Engagement getragen werden.

Auf den unterschiedlichsten Ebenen pflegen Nürnberger Bürgerinnen und Bürger Kontakte mit Menschen in den Partnerstädten und arbeiten in verschiedensten Kooperations-Projekten zusammen. Bei rund 400 bis 500 Aktivitäten, die pro Jahr vom Amt für Internationale Beziehungen oder von den Partnerschaftsvereinen organisiert und betreut werden, sind es mehrere tausend Nürnbergerinnen und Nürnberger, die jährlich mit den Partnerstädten in der einen oder anderen Form in Berührung kommen: Touristisch Interessierte nehmen teil an Bürgerreisen in die Partnerstädte, Schüler und Studenten lernen sich bei Austauschreisen kennen, Sportler begegnen sich bei Wettkämpfen, Kunstschaffende finden sich zu gemeinsamen Projekten zusammen und bei Festen, Veranstaltungen oder Konferenzen informieren sich Bürgerinnen und Bürger über die jeweils andere Kultur. Diese zwischenmenschlichen Begegnungen sind wichtig für unser friedliches Zusammenleben.

Wichtig sind aber auch die vielfältigen Kontakte auf politischer, wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Ebene, auch wenn deren Nutzen, etwa durch Geschäftsabschlüsse zwischen Nürnberger Firmen und Unternehmen in den Partnerstädten oder durch Besuche chinesischer, arabischer oder russischer Gäste bei Kongressen zu Nahverkehr, Umweltschutz, Medizintechnik oder Kommunikationstechnologie, nicht bemessen werden kann. In unserer globalisierten Welt gehört das Kooperieren über Grenzen hinweg zum Alltag, bestimmt die Vernetzung Gegenwart und Zukunft. Nürnberg hat Tradition als Anziehungspunkt für kreative Menschen aus aller Herren Länder – falls Sie im Sommer Gelegenheit hatten, die Zuwanderer-Ausstellung „Von nah und fern“ im Stadtmuseum Fembohaus zu besuchen, werden Sie mir zustimmen. Die Präsentation zeigte die Reichsstadt Nürnberg, eine der bedeutendsten Handwerks-, Kunst- und Handelstätte des spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Europas, als weltoffenen Ort. Diese Tradition werden wir weiter pflegen – der Zukunft zuliebe.

Dr. Ulrich Maly
Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg

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