Vielfalt, Toleranz und Demokratie stärken

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Kennen Sie den Nürnberger Stadtteil Gleißhammer? Wohnen Sie vielleicht sogar dort? Dann hatten Sie möglicherweise Berührung mit einem Projekt des Kreisjugendrings Nürnberg-Stadt. Unter der Über- schrift „Gleißhammer – Ein Stadtteil für Menschen- rechte“ finden dort Aktionen mit Kindern, Jugend- lichen und Erwachsenen statt, die das Demokratie- und Toleranzverständnis sowie die Menschenrechts- bildung fördern und über Nationalsozialismus aufklären. In dem von Multikulturalität geprägten Stadtteil werden gezielt Kinder und Jugendliche aus Kinder- gärten, Schulen, Horten, Abenteuerspielplätzen, Sportvereinen, Jugendeinrichtungen und kirchlichen Gemeinden angesprochen. In gemeinsamen Aktivi- täten machen sie sichtbar, dass sich Gleißhammer als Stadtteil für Menschenrechte und Toleranz versteht und gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus ein- tritt. So spielten Heranwachsende mit beim Theater- stück „Kinderrechte unterwegs“, hielten eine „Kinder- konferenz“ im Hort Scharrerstraße ab und beteiligten sich bei zahlreichen Malaktionen zu Kinderrechten in Kinderhorten. Das Netzwerk „Gleißhammer“ verleiht eine Buttonmaschine und Rohlinge für diverse Aktionen, stellt Bilder, Plakate und Aufkleber zum Themenbereich „Kinderrechte“ zur Verfügung und informiert in Workshops mit Kinder und Jugendlichen über die Menschenrechtsbildung. Höhepunkt im Jahr 2013 war eine große „Stadtteil-Friedenstafel“ am Todestag des von der NSU-Terrorzelle ermordeten Ísmail Yasar.

Eine andere Initiative, das „Miteinander-Projekt“ der AWO Nürnberg und des Integrationsrats der Stadt Nürnberg, hat die Förderung des interkulturellen Zusammenlebens in Gemeinwesen, Stadtteil und Nachbarschaft durch konstruktive Konfliktbearbeitung zum Ziel. Erreicht werden soll dies durch die Aus- bildung von Mediatorinnen und Mediatoren. Mediation ist ein außergerichtliches Konfliktvermittlungsverfah- ren, in dem die Parteien ihren Streit „auf Augenhöhe“ selbst lösen. Im „Miteinander-Projekt“ wurden bislang 16 ehrenamtliche Mediatorinnen und Mediatoren geschult. Die „Auszubildenden“, von denen zwölf einen Zuwanderungshintergrund haben, investierten 200 Stunden für eine vom Bundesverband Mediation aner- kannte Ausbildung und stehen nun bereit, in Nachbar- schafts- und anderen Konflikten kostenlos zu regulie- ren. Mediation, das ist nachgewiesen, kann wesentlich zur Deeskalation von Konflikten beitragen, gerade auch von solchen, die sich an kulturell bedingten Missverständnissen entzünden.

Diese zwei Beispiele gehören zu 43 Projekten eines „Lokalen Aktionsplans“ der Stadt Nürnberg, der vom 2011 aufgelegten Bundesprogramm „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ bei dreijähriger Laufzeit mit ins- gesamt 240 000 Euro gefördert wird. Ziel ist es, Verständnis für die gemeinsamen Grundwerte und kul- turelle Vielfalt zu entwickeln, die Achtung der Menschenwürde zu fördern und jede Form von Extremismus, insbesondere den Rechtsextremismus, zu bekämpfen.

Seit vielen Jahren hat sich die Stadt Nürnberg den Menschenrechten als einem Orientierungsrahmen für eine lebenswerte und solidarische Stadtgesellschaft verpflichtet. Der Menschenrechtsschutz ist in unserer Stadt eine der Grundlagen für stabilen sozialen Zusammenhalt und für ein von Solidarität, Toleranz und gegenseitigem Respekt geprägtes Zusammen- leben aller gesellschaftlichen Gruppen. Doch auch in Nürnberg sind Segregationstendenzen aufgrund sozi- aler und ethnischer Merkmale erkennbar. Abwertungen, Vorurteile, Stereotype, Ausgrenzungen, Diskriminierungen und Diffamierungen sind subtile oder offene Begleiter des Alltagslebens und der Stoff, aus dem sich gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit entwickeln kann.

Der Bund hat signalisiert, dass er sein Toleranz- Programm um weitere drei Jahre verlängern möchte. Die Koordinierungsstellen des „Lokalen Aktionsplans“ nehmen daher – vorbehaltlich der weiteren Förderung durch Bundesmittel – bis 15. Dezember 2013 Anträge für das Förderjahr 2014 entgegen. Falls Sie Mitglied sind in einem eingetragenen Verein, der sich in und für Nürnberg mit Antidiskriminierungsarbeit, Menschen- rechtsbildung oder Arbeit gegen Rechtsextremismus engagieren möchte, finden Sie umfassende Informatio-nen im Internet unter www.toleranz.nuern- berg.de. Helfen Sie mit, unser lebenswertes Nürnberg ein Stück liebenswerter zu machen!

Dr. Ulrich Maly
Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg

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