Z common ground, Münchens größte Zwischennutzung 2019, ab sofort geöffnet

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Nach fast zwei Jahren der Planung ist es endlich soweit: Z common ground ist ab heute ein für alle geöffneter Kulturraum auf Zeit. Bis zum 2. Juni jeweils donnerstags bis sonntags ab 14 Uhr ist der ehemalige Gewerbehof in der Zschokkestraße zugänglich – bei freiem Eintritt. Auf freiwillige Beiträge ist der veranstaltende Verein zur Förderung urbaner Kunst jedoch angewiesen, um den über 100 Künstler*innen die gebotene Anerkennung auch finanziell zollen zu können.

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Der Verein zur Förderung urbaner Kunst rund um die Vorstände Melander Holzapfel und Daniel Man und verstärkt durch Kuratorin Laura Lang hat gemeinsam mit den Künstler*innen unglaublich viel Energie aufgebracht für ein kurzes, aber einmaliges Gesamtkunstwerk. „Ja, eine Zwischennutzung ist vergänglich und da ist immer auch ein weinendes Auge dabei. Aber ein derartiges Leuchtfeuer an Kreativität ist nur unter solchen Ausnahmebedingungen möglich“, fassen Laura Lang und Daniel Man zusammen, die gemeinsam mit Loomit das kuratorische Dreiergespann von Z common ground bilden. Melander Holzapfel hat die tragende Rolle des Projektleiters übernommen. Im Vorbereitungs-Endspurt sei ein fast übermenschlicher Einsatz gefordert, der sich aber laut Holzapfel unbedingt lohne – für ihn ist Z common ground „die einzigartige Gelegenheit, mit vielen Künstlern ein Experimentierfeld zu schaffen – unter extremen und sehr spannenden Bedingungen.“ Extrem sind vor allem die Ausmaße des Projekts: auf über 100 Künstler*innen ist die Liste angewachsen, es sind 15 Kooperationspartner beteiligt – von den Münchner Kammerspielen bis RePair Democracy – und es stehen über 70 Termine bis zum zweiten Juni im Veranstaltungskalender.

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Zerneuerung, Transformation, Interaktion und Verortung

Was das Projekt neben der schieren Größe außergewöhnlich macht, ist die stilistische Vielfalt und das simultane Neben- und Miteinander völlig unterschiedlicher Kunstrichtungen. Und dass fast alle Arbeiten explizit für diese einmalige Gelegenheit geschaffen wurden: Die Künstler*innen transformieren „zerneuernd“ den Raum – aus Lagern und Büros werden Biotop, Skatepark, Skybar und Foodstation, eine Zimmerdecke wird um 30 Grad geneigt, Aufzugfahren wird zum analogen Musikerlebnis –  oder sie beziehen den umliegenden Stadtraum ein, indem Lieblingslieder und Alltagsgegenstände von Nachbar*innen zum künstlerischen Material werden. Viele Arbeiten sind interaktiv angelegt, so wie „fit und fun“ von den Guerilla Architects, die ab 9. Mai kostenlose Yoga, Flamenco- und Aikidokurse geben. Elke Dreier bietet als konkrete Maßnahme ein „training for the future“ an. Mit BeAnotherLab kann man sich ins Körpergefühl eines anderen Menschen versetzen. Das Department für öffentliche Erscheinungen fordert zur Stellungnahme bezüglich der Schere zwischen Arm und Reich auf. DemocraticArts errichtet an zwei Tagen eine Speakers’ Corner und die große Wellenskulptur „Konsunami“ lädt zum Skaten im Keller ein.

Außerdem gibt es Workshops, Tanzaufführungen, Video Art und die Münchner Kammerspiele bieten Theater („Werther‘s Quest for Love“) und Performance („For the Last Time“).

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Berührung lässt Neues entstehen

Richtig spannend ist es also immer dort, wo Berührungspunkte entstehen – zwischen Publikum und Kunst oder auch zwischen den Künstler*innen: so geschehen beim schwarzen Traum-Raum von Martin Nothhelfer und Rafael Gerlach (SatOne) oder bei Guida Mirandas Videoarbeit über Z common ground, an der ein Schauspieler und Student*innen der Hochschule für Film beteiligt waren. Auch das wilde „Kampfarena“-Setting der Oehlen-Klasse ist eine echte Gemeinschaftsarbeit. An anderen Stellen gibt es zwar keine direkte Zusammenarbeit, aber intensive Annäherung: zum Beispiel, wenn Bernhard Springer und Zeser die Wand zwischen ihren Werken kurzerhand durchbrechen. Oder wenn Z-Rok in seiner raumgreifenden Installation Magdalena Wallers Kupferplatten vom Raum nebenan aufgreift.

Bei Berührung entsteht Aufmerksamkeit für das jeweils Andere und im besten Fall wird etwas Neues angestoßen. Wenn das passiert – sei es durch bloße Kontemplation der Kunst an Außen- und Innenwänden, sei es durch einen Theaterbesuch, einen Workshop oder durch das Staunen über dieses große, organische Gemeinschafts-Experiment – dann hat Z common ground sein Ziel erreicht.

Z common ground – Zschokkestraße 36, München Laim
(direkt an der U-Bahnstation Westendstraße!)
Vernissage
am 30. April um 19 Uhr.
Ausstellungszeitraum: 1. Mai – 2. Juni 2019
Öffnungszeiten ab 1. Mai:

Donnerstag / Freitag / Samstag:  14 h bis 21 h
Sonntag: 14 h bis 18 h
Der Eintritt ist frei
; am Ausgang werden die Besucher*innen freundlich um einen an der individuellen Wertschätzung gemessenen Beitrag gebeten.
Mehr Info unter: www.z-common-ground.de

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Bild 1: Installation von Gülcan Turna / Fotograf: Christian Boehm
Bild 2: FCBayern Basketball gestaltet den Z common ground Innenhof / Foto: Campos Viola Photography
Bild 3: Rauminstallation von Z-Rok, Wandmalerei von Eliaz / Fotograf: Christian Boehm
Bild 4: „Little Uiverse Rolling“ von Margarethe und Jakob Hentze / Foto: Campos Viola Photography
Bild 5: Wandgestaltung von Matthias Mross / Foto: Campos Viola Photography

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