29. Oktober 1923 – Der Nationalfeiertag

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Am 29. Oktober 1923 rief Mustafa Kemal Atatürk die türkische Republik aus und verlegte die Hauptstadt nach Ankara. Der 29. Oktober ist in der Türkei seither ein Nationalfeiertag. Die Republik wurde als ein laizistischer Staat gegründet. Atatürk leitete Reformen im politischen und gesellschaftlichen System ein. Ziel war durch die Modernisierung ein säkularer und westlich orientierter Staat. Vor dem Ausruf der Republik wurde 1922 das Sultanat, 1924 das Kalifat sowie die Scharia abgeschafft. Ab 1925 wurden die zahlreichen gesellschaftlichen Reformen umgesetzt, wie zum Beispiel das Fes- Verbot. Zudem wurde die Trennung von Mann und Frau in der Gesellschaft abgeschafft, u.a. auch in der Schule. Allmählich wurden auch die Rechtsreformen eingeführt, die aus anderen Ländern zum Teil übernommen und angepasst wurden. Was viele vielleicht nicht wissen, aber wissen sollten ist, dass in der Türkei die Frauen das aktive und passive Wahlrecht bei den Kommunalwahlen seit 1930 und bei den Parlamentswahlen seit 1934 besitzen. In vielen europäischen Ländern wie Frankreich, Belgien, Schweiz etc. erhielten die Frauen viel später ihr Wahlrecht.
Der 29. Oktober ist ein Tag der Feier, aber auch das Gedenken an den Gründungsvater der Republik, Mustafa Kemal Atatürk und seinen Weggefährten sowie den Gefallenen, die für die Unabhängigkeit des Landes ihr Leben geopfert haben, so dass wir in einem unabhängigen, laizistischen und modernen Staat leben können.
Anlässlich des 91. Jahrestages der Staatsgründung der Türkei, lud der türkische Generalkonsul Mesut Koc die Repräsentanten aus Politik und Wirtschaft in das Nymphenburger Schloss ein. Der Abend begann mit der Ansprache des Generalkonsuls Mesut Koc. In seiner Rede betonte er den Erfolg der Türken in Deutschland. Anschließend hielt der bayerische Staatsminister des Inneren Joachim Herrmann eine Rede, indem er wiederholt darauf aufmerksam machte, wie wichtig die Reformen Atatürks für die Türkei waren und noch sind. Der Abend ging musikalisch mit dem Auftritt der Blechquinten weiter, die neben bayerischen Volksliedern auch ein berühmtes Werk „Yine Bir Gülnihal“ aus der türkischen Kunstmusik spielten. Die Blechquinten nahmen bei „ Jugend musiziert“ teil. Anschließend traten die Violinistin Hande Özyürek und der Pianist Fedele Antoinicelli auf, die einen musikalischen Ohrenschmaus den Gästen boten. Sie spielten u.a. Werke von Ahmet Adnan Saygun und Fazil Say. Aufgrund des Minenunglücks in Ermenek wurde das Programm zu den Festlichkeiten verkürzt und verändert, um in Gedanken bei den Bergleuten zu sein.

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